10 Tipps für Nonprofit-Organisationen – wie Sie auf Facebook Spenden sammeln

Ich habe drei Leben bei Facebook: Auf meinem persönlichen Account, als Profitexterin (zusammen mit drei tollen Kollegen bestücke ich die PT Fanpage) und als Fundraiserin für time2help (tatkräftig unterstützt von meiner lieben Schwester).

Das Netz überschüttet uns mit Tipps, wie eine FB Fanpage schneller wächst und besser funzt. Die Tipps gelten meistens Fach- und Themen übergreifend – für normale „Unternehmens-, Image-, Geldmaschinerie- und Brötchenbeschaffungsseiten“ ebenso wie für Seiten, die einer guten Sache dienen, also einem gemeinnützigen Zweck.

Der Zweck unserer time2help – Fanpage: Kreise größer ziehen, Vertrauen aufbauen, Interesse für die fernen Themen in einem fernen Waisenhaus in einem fernen Land wecken und halten, bei unseren Freunden und Fans mit immer neuen „Gigs“ in Erinnerung bleiben und natürlich Spenden sammeln.

 

Ohne offene Herzen keine Spenden
Ohne offene Herzen keine Spenden

Spenden sammeln über Facebook

… darüber hüllt sich das Netz zwar nicht direkt in Schweigen, aber es hält sich vornehm mit guten Ratschlägen zurück. Seltsam. Dabei wären Anregungen gerade hier für viele wirklich wertvoll und könnten Gutes bewirken. Denn die Antwort auf die Frage „Lassen sich über Facebook Menschen so weit ansprechen, dass sie ihre Herzen und ihre Geldbeutel aufmachen und Geld spenden?“ lautet JA.

Wie gesagt, die Facebook-Kommunikations-Basics gelten auch hier:

  • regelmäßige Fanpage-Pflege in Form ständig neuer, aktueller Posts.
  • Zielgruppen relevante und abwechslungsreiche Informationen.
  • Ein sauberer Text, der sich nicht wie die Gebrauchsanleitung für Ihre Waschmaschine liest und
  • nicht vor Fehlern wimmelt.
  • Passende Bilder.
  • Interaktion

Wer das alles beherzigt, der macht seine Sache schon gut. Aber reicht das aus? Können Sie wie wir als kleiner no Name – e.V. allein mit diesen Tipps Menschen und deren Herzen erreichen?

Spendenaufruf mit Herz
Spendenaufruf mit Herz

Fundraising auf FB: 10 Tipps für Nonprofit-Organisationen

Ich sag`s wie`s ist: Unser Verein ist immer klamm. Eigentlich ist nie genug Geld da, um die Nöte zuzuschütten. Das liegt in der Natur der Sache … ein kleines Waisenhaus, das aus allen Nähten platzt und notgedrungen wächst, weil die Not ringsherum weint und die Ungerechtigkeit vielerorts schreit … eine Schule mit Lehrern, die bezahlt werden müssen …  Gebäude, die verhalten werden müssen, fehlende Schuluniformen, knappes Essen, kaputte Schulbusse … Wo anfangen, wo aufhören?

 

Tipp 1: Fokus auf wenige Themen. Diese immer wieder in unterschiedlichen Facetten aufgreifen.

Ich kann meinen Lesern an einem Tag die verratzten Schulmöbel zeigen und um Geld für neue Stühle und Bänke bitten, am nächsten Tag die Gesichter auf dem angehängten Foto erläutern, die sorgenvoll auf verdorrte Felder blicken, und wieder am nächsten Tag kann ich Ihnen die Ohren volljammern, dass die Anzahl der Schulbücher hinten und vorne nicht reicht. Wenn ich das mache, überfordere ich den vorsichtig mir zugeneigten Leser, ich überrolle ihn mit einer Vielzahl von negativen Nachrichten und schlage ihn so in die Flucht. Das heißt: Meistens konzentrieren wir uns auf EIN Projekt, maximal zwei. Und um dieses EINE Projekt, um dieses EINE Thema kümmern wir uns eine Zeitlang „mit Haut und Haar“.

 

Tipp 2: Hinter jedem Projekt steckt eine Geschichte. In jeder Geschichte stecken Emotionen. Schälen Sie „Story“ und Emotionen heraus.

Lassen Sie mich diesen Tipp anhand unseres aktuellen Projektes erläutern: Wir sammeln aktuell Geld für Stockbetten. Ich könnte schreiben:

„Für neue Schlafräume werden 160 Stockbetten benötigt. Der benötigte Gesamtbetrag liegt bei 24.000 Euro. Wer ist bereit zu spenden?“

Ich fürchte keiner. Warum? Es fehlt die Geschichte dazu. Und es fehlen die Emotionen. Die gute Nachricht: Anders als oft im kommerziellen Bereich muss man sich im Charity-Umfeld beides nicht erst mühsam zusammen pfriemeln – sowohl die Geschichte als auch die Emotionen werden uns „frei Haus“ mitgeliefert. Eigentlich muss ich „nur“ erzählen, warum es ist, wie es ist. Muss herausarbeiten, was SCHLECHTES passiert, wenn wir das Geld NICHT zusammen kriegen. Muss beschreiben, wie durch die tatkräftige Mithilfe des Lesers GUTES passieren kann – konkret, anfassbar, einfühlbar. – Und die Emotionen? Ich habe Ihnen einen Text zu unserem Betten-Thema mitgebracht. Sie werden in fast jedem Absatz mindestens eine Emotion vorfinden.

Spendentext Betten

 

Tipp 3: Lassen Sie die Leser TEIL Ihrer Geschichte werden

Bitten Sie Ihre Leser, Ihren Aufruf zu teilen. Bedanken Sie sich für`s Teilen! Die ersten Spenden treffen ein? Sagen Sie DANKE, und das in aller Öffentlichkeit! Bedenken Sie – Sie haben nichts Messbares zu bieten, keinen echten Gegenwert, keine Ware gegen Geld. Sie haben „nur“ die Wertschätzung und die Anerkennung als „Gegengewicht“ in der Hand. Und damit sollten Sie nicht hinter dem Berg halten! ABER – und das ist ganz wichtig: Schreiben Sie NIEMALS ungefragt den Spendernamen in Ihren Post. Wir haben uns angewöhnt, von Herrn K. aus Bonn zu sprechen, oder „von Frau O. aus München“.  Die betreffende Person weiß: es geht um sie, und sie freut sich. Allerhöchstens beschleicht deren direktes Umfeld eine Ahnung, um wen es sich handelt, aber das war´s dann. Anders sieht es aus, wenn Ihr Spender gerne mit vollem Namen genannt werden möchte. „Tue Gutes und rede darüber.“ Wenn wir das von jemandem wissen, dann machen wir das gerne.

 

Tipp 4: Heißes Herz, kühler Verstand, langer Atem

Sie müssen brennen für Ihre „Mission“. Wenn Sie nicht voll dahinter stehen und immer wieder neu Ihre Begeisterung, Ihren Elan, Ihre Motivation, manchmal auch Ihre Traurigkeit und Nachdenklichkeit in Facebook über die Zeit retten und immer wieder neu überschwappen lassen, dann spürt das Ihr Leser – er kühlt selbst ab.

 

Tipp 5: Locker machen!

Lockern Sie Ihren Account auf – mit Alltagsgeschichten, hübschen Fotos, kleinen Begebenheiten, Erzählungen und Berichten aus dem Umfeld. Je nach Projektphase kann es schon mal angebracht sein, zwei oder drei Wochen hintereinander nur zu powern und zu pushen. Doch meistens ziehen sich die Projekte über einen längeren Zeitraum. Ihre Leser ermüden, wenn Sie jeden Post auf´s Neue mit Ihrem versteckt erhobenen Zeigefinger ums Eck kommen.

 

Tipp 6: Vertrauen und Glaubwürdigkeit ist Ihr höchstes Gut

Lügen haben kurze Beine. Geschönte Erfolge, an den Haaren herbeigezogene Storys, unwahre Begebenheiten, getrickste Zahlen – ganz egal: LASSEN SIE DIE FINGER DAVON! Ein gemeinnütziger Verein kann einpacken, wenn er nicht bei der Wahrheit bleibt. Über kurz oder lang fliegt das Lügengebäude um die Ohren. „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ ist Ihr wichtigstes Kapital. Was im Umkehrschluss nicht heißt, alles und jedes Detail in der Öffentlichkeit breitzutreten. Es gibt natürlich Dinge, die haben nichts in der Öffentlichkeit zu suchen, und in Facebook schon dreimal nicht. Aber was da steht, muss stimmen.

 

Tipp 7: Die Website als Wurzel

Wird jemand über Facebook auf Ihren Verein aufmerksam, möchte er mehr erfahren: Wer steckt dahinter? Seit wann existiert der Verein? Wie präsentiert sich der Verein in der Öffentlichkeit? Welche weiteren Hintergrundinfos gibt er preis? Mit der Website können Sie untermauern, dass Sie seriös sind, dass Ihre Hilfe Hand und Fuß hat und Ihr Facebook-Aufruf nicht im luftleeren Raum steht. Mit Ihrer Website geben Sie Ihrer Nonprofit-Organisation Wurzeln. Auf diese können Ihre Facebook-Besucher immer zurückgreifen und sich rückversichern.

 

Tipp 8: Vorsicht vor Überforderung

Jeder Tag ein toller Post? Denken Sie immer daran, dass Facebook eine langfristige Beziehungskiste ist. Wer in der Anfangseuphorie zu viel auf einmal reinstopft, verliert unter Umständen schnell: neuen Erzählstoff, neue Motivation … Wir haben uns bei zwei Posts pro Woche eingependelt, meistens mittwochs und samstags/sonntags. Der Post am Wochenende ist wichtig, weil viele Leute haben da den Kopf eher frei für solche „weichen“ Themen.

 

Tipp 9: Üben Sie sich in Demut

Wenn Geld kommt, nehmen Sie es als das, was es ist: als Geschenk für Ihre Herzenssache. Vergessen Sie nie: Sie haben kein Anrecht drauf. Da draußen schwirren noch unzählige weitere edle Projekte durch echte und virtuelle Lüfte und buhlen um Gelder und Unterstützung. Wenn Menschen trotz all Ihrer Bemühungen nichts spenden wollen, dann wollen sie eben nicht. Es ist deren gutes Recht. Nehmen Sie die vermeintliche Ignoranz der anderen NIE persönlich. Übrigens: Auch ein (unserer Meinung nach) super duper FB Aufruf ist nicht zwingend ein Selbstläufer. Die Erfahrung machen wir immer wieder.

 

Tipp 10: Nutzen Sie Facebook als eine Säule in Ihrem Fundraising-Gebäude

Sich nur auf diesen Kanal zu verlassen, ist unprofessionell. Kein Unternehmen baut in seiner Kundenakquise nur auf Facebook, und Sie sollten das für auch nicht tun. Es gibt viel, was man machen kann, viele Punkte, Plätze, Pläne in- und außerhalb des Internet, an denen Sie anknüpfen können. Klar – jeder einzelne erfordert Zeit, Kraft, Kreativität, Durchhaltevermögen. Kleinen Nonprofit-Organisationen wie uns und Ihnen fliegen nirgendwo die fertig gebratenen Tauben in den Mund. Überlegen Sie, wo Sie stark sind, was Ihnen Spaß macht, was Sie gut können. Wenn Ihnen Facebook wenigstens ein bisschen Spaß macht, wenn Sie sich das Texten und Posten zutrauen, dann legen Sie los. Ich wünsche Ihnen erfolgreiches Fundraising!

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