Textertipp Verben: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen

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Verben sind die Königswörter der Sprache. Hier geht was vorwärts. Verben bringen Drive und Speed in die Textbude! Verben sind Leben. Und starke Verben lassen Ihre Leser nicht mehr von der Angel.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel:

Frau Müller isst ein Stück Sahnetorte.

Einfach nur essen? Oder lieber auf der Zunge zergehen lassen?
Einfach nur essen? Oder lieber auf der Zunge zergehen lassen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Essen“ ist zwar kein schlechtes Verb (dazu gleich mehr), aber richtig gut ist es auch nicht. Es ist ungenau, unpräzise. Folge: Das Bild in Leser`s Kopf fällt zu schwammig aus und setzt keinen Anker..

Mit welchen Synonymen zeichnen wir die Situation schärfer?

Die Guten …

Frau Müller verschlingt ein Stück Sahnetorte.

Frau Müller stopft sich ein Stück Sahnetorte hinein.

Frau Müller nascht ein Stück Sahnetorte.

Frau Müller kaut auf der Sahnetorte herum.

Frau Müller speist ein Stück Sahnetorte.

Frau Müller schmaust Sahnetorte.

Frau Müller mampft ein Stück Sahnetorte.

Frau Müller knabbert an der Sahnetorte.

Frau Müller lässt sich ein Stück Sahnetorte auf der Zunge zergehen.

Merken Sie den Unterschied? Je exakter Sie Ihre Wortkreation modulieren, desto schärfer wird das Bild, und umso mehr Leben hauchen Sie der Situation ein.

 

Die Schlechten

Wann sind Verben schlecht für Ihren Werbetext? Ganz einfach: Wenn sie nichts in Ihnen auslösen – kein Bild, keine Emotion.

Beispiele für technokratische, seelenlose Verben:

Aufweisen„Der Platz weist viele Leute auf“. — Stehen die da nur rum, sitzen sie im Café, warten sie auf den Bus, oder machen sie Party?

Beinhalten – „Der Text beinhaltet keine Fehler.“ — Fehlerfrei wäre tadelloser. Noch besser die positive Variante = „der Text ist hervorragend / eine glatte 1 / glänzt

Bedingen – „Schnee und Kälte bedingen das Schließen der Schule.“ — Puh! Mir kriecht die Kälte in den Kopf.

Erfolgen – „Es erfolgt keine Antwort vom Lehrer.“ — Warum antwortet er nicht schlicht?

Befinden – „Onkel Olaf befindet sich im Seniorenheim.“ — Wohnt er da? Besucht er jemanden? Arbeitet er dort?

 

 Auch ins Kröpfchen …

… mit den modalen Hilfsverben und den Konjunktiven, denn sie sind keine echten Verben. Sie sind blutleer und seelenlos. Streichen Sie diese Hilfsverben aus Ihren Werbetexten:

können / müssen / dürfen / würden / wollen / möchten

Sie möchten sich vorstellen? TUN Sie es doch einfach und stellen Sie sich vor! Sie wollen mitreden? Reden Sie und machen Sie sich nicht kleiner als Sie sind. Sie würden sagen wollen? Dann sagen Sie es. Und gut ist.

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