Die Texterin und die Werbeagenturen

„Hallo Frau Nestle, danke für Ihre Arbeit. Wir haben uns entschieden, die Zusammenarbeit an dieser Stelle zu beenden. Bitte stellen Sie uns Ihre Rechnung.“

Bums, das sitzt!

Ich fand das Thema spannend. Auf das Projekt – ein dreiteiliges Package mit Mailing, Header auf Briefhülle und Stuffer – hatte ich mich thematisch gut vorbereitet, mir auch ausreichend Zeit für Konzeption und Texterstellung genommen. Und hatte nach der Fertigstellung das Gefühl, das Maximum herausgeholt zu haben.

Der Auftrag kam von einer Werbeagentur, die ein ganzes Eck weg von hier ihren Sitz hat. Der Erstkontakt – eine Mitarbeiterin der Agentur kontaktierte mich per Mail und Telefon – war vielversprechend, die Stimme am anderen Ende der Leitung sympathisch. „Prima, dass Sie Interesse haben. Wir suchen für zwei unserer Auftraggeber längerfristig einen weiteren Texter. Wann hätten Sie Zeit für einen Probelauf?“ Der ausgehandelte Preis war nicht sensationell, aber im Rahmen. Agenturen nehmen sich gerne das Recht auf „preisliche Probeläufe“ raus … Wir trafen uns schließlich in der Mitte.

Texte bauen am Laptop

Texterin bei der Arbeit

Einige Wochen später war es soweit: Ich bekam Infomaterial per Post zugestellt, in Form von Mailings der letzten Monate. Dann das telefonische Briefing mit der Projektmanagerin der Agentur. Ich versuchte so viel wie möglich über das auftraggebende Unternehmen zu erfahren, über dessen Zielgruppen, über das konkrete Angebot plus USP, über die Tonalität undundund. Einige Fragen konnte mir meine freundliche Ansprechpartnerin freilich nicht voll beantworten. Nein, keine Möglichkeit, vollständige Antworten in Erfahrung zu bringen.

Besonders mein Spielraum blieb nebulös: Inwieweit darf ich aus dem bestehenden Text-Korsett ausbrechen? Welche Teile sind unverrückbar – was darf anders werden?

Nun gut.

Ich nahm, was ich kriegen konnte,

betrieb auf eigene Faust weitere Internet-Recherchen, nahm paar blinde Briefing-Flecken in Kauf und legte dann los. Und fand das Ergebnis gut …

… und stellte zum wiederholten Mal fest, wie schwierig die Zusammenarbeit auf diese Weise ist. Die Agentur steht zwischen dem Auftraggeber und mir. Sie hat das alleinige Sagen gegenüber dem Kunden. Was mir zunächst mal schnuppe ist, sich aber als mühsam entpuppt, so wie hier: Da lief schon ganz viel im Vorfeld zwischen Auftraggeber und Agentur – in dem konkreten Fall blickten beide auf eine längere gemeinsame Geschichte zurück, sie hatten sich aufeinander und miteinander eingerichtet. Es ist zum Beispiel Usus, die Mailings ohne vorherige Briefings zu verfassen. Die grobe Richtung ist eh allen klar. Den konkreten Aufhänger gibt die Website des Auftraggebers vor, auf der auch die neuesten Projekte vermerkt sind.

Man hatte mir gesagt, der Haus-und-Hof-Texter sollte Entlastung erfahren, aber ich hatte nicht die Chance, mit ihm zu sprechen. Wer weiß, vielleicht war er/sie auch verschnupft über meine Einmischung in seine/ihre Pfründe, ich weiß es nicht … Vielleicht und hätte und könnte und sollte… ist jetzt auch egal. Der Schlussstrich ist gezogen. Und ich wieder mal geheilt.

Briefing mit Kunden
Der direkte Draht zum Kunden

 

Der direkte Kundenkontakt ist und bleibt das A und das O eines Texters!

Ich muss fragen dürfen wie mir der Schnabel gewachsen ist – direkt, ohne Scheuklappen und ohne Mittelsleute – ganz so, wie ich es für richtig halte. Ich möchte die Antworten ungefiltert hören. Ich muss selbst das Ohr hinhalten können und im direkten Kontakt ein Gefühl für den Auftraggeber und seine Wünsche bekommen. Mir vom Original die Puzzleteile zusammensuchen und daraus ein Bild formen, die kleinen, scheinbar unscheinbaren Teile zwischen den „Zeilen“ inklusive.

 

 

Ich mache die Erfahrung nicht zum ersten Mal, hatte aber die letzten Jahre die Finger von der Zusammenarbeit mit Werbeagenturen gelassen – oder sie von mir 😉 Thema und Projekt ließen mich „schwach“ werden. Im Nachhinein ärgere ich mich über meine Nachgiebigkeit, die Infos aus zweiter Hand zu akzeptieren (hätte ich auf direkten Kundenkontakt beharrt, wäre ich wahrscheinlich gleich im Aus gelandet, was ich in dem Moment aber nicht riskieren wollte).

 

Halt, es gibt eine Ausnahme

Ich arbeite immer mal wieder mit einer Agentur aus dem Raum Reutlingen zusammen, da klappt die Zusammenarbeit prima, und alle sind zufrieden. Sie klappt dank der Vereinbarung, dass ich selbst mit dem Kunden in Verbindung trete, zum ausführlichen, ungefilterten Briefing aus erster Hand.

Beim direkten und kurzen Draht zu meinen Kunden weiß ich, was ich hab. Dieser persönliche Kontakt ist für mich durch nichts zu ersetzen! Und so freue mich nach getaner Arbeit über deren zahlreiche positive Feedbacks, die aus erster Hand auf meinem Tisch, in meiner Mailbox und in meinem Ohr landen.

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