Fünf kräftigende Werbe-Weisheiten mit Mann, Rad und Brot.

Mann, Rad, Brot

 

 

Ein Mann läuft mit seinem Rad durch Havannas Altstadt-Lehm-Buckelpisten und verkauft frisch gebackenes Brot.

 

 

Vier volle Tage verbrachten wir in Havanna. In einem der vielen Altstadt-Lehmgassenhäuser, irgendwo inmitten dieses Gassen-Wirrwarrs, standen unser Bett und unsere Koffer. Immer morgens um kurz nach 5 war es vorbei mit unserer Nachtruhe. Das Leben auf den Lehmgassen ging los und schwappte sofort über. Rufen und schreien und einander lautstark grüßen, Klingeln, Hupen und was weiß ich. Einer der ersten auf der Gasse? Ein radelnder bzw sein Rad schiebender Brotmann. Jeden Dämmermorgen um kurz nach 5 hörten wir sein Gebimmel und sein Brotgeschrei. Augenscheinlich gingen die Geschäfte gut. Und so kam er jeden Morgen wieder, immer um kurz nach 5.

 

5 kräftigende Werbe-Weisheiten.

  Was können wir von dem bimmelnden Brotmann lernen? Fünf einfache Werbe-Weisheiten, die vor lauter kompliziertem Marketing-Gedöns gerne auch mal hinten runterfallen:

  1. Perfektes Timing.

Heißt für den Brotmann am sehr frühen Morgen, bevor der Alt-Havanner sein Frühstück zu sich nimmt. Wer den perfekten Moment zum Verkauf verpasst, hat Pech.

  • Wann sind Eure Kunden am empfänglichsten für Eure Angebote? Frühmorgens? Mittwochmittag? Am Wochenende? Im Spätwinter? In den Schulferien?

 

  1. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Der Brotmann klappert mit seinem Rad die Gassen ab. Das heißt, er bewegt sich hin zu seinen Kunden, praktisch an deren Haustüren vorbei.

  • Wo trefft Ihr Eure Kunden an? Geht Ihr mit Euren Angeboten genau dorthin, wo die Kunden wirklich bereit sind zu kaufen? Gestaltet Ihr den Kaufvorgang so bequem wie möglich?

 

  1. Schläfst Du noch oder bimmelst Du schon?

Der Brotmann macht Krach. Überlaut und unverkennbar macht er aller Welt klar, wer er ist und was er bietet – auch auf Kosten solcher, die sich von ihm gestört fühlen wie zum Beispiel wir. Was ihm aber herzlich egal sein dürfte, solange sein Kundenstamm allmorgendlich zu seinem Rad kommt und seine Ware kauft.

  • Merken Deine Kunden ohne Mühe, dass Du VOLL DA bist, um deren Hunger nach Brot, Gartenschlauch oder Küchenumbau umgehend zu stillen?

 

  1. Länger leben als Eintagsfliegen.

Der Brotmann kommt nicht nur manchmal. Nein, auf ihn ist Verlass, Morgen für Morgen für Morgen. Bleibt er morgens im Bett weil er keine Lust hat, schnappen ihm im Radumdrehen garantiert andere Brotbäcker sein Geschäft weg.

  • Zeigst Du den langen Atem für Deine Kunden? Merken die, dass sie auch auf Dauer voll auf Dich bauen können? Wer Stammkunden an sich binden will, muss Verlässlichkeit an den Tag legen – auch dann, wenn die Lust mal vom Rad auf die Strecke gefallen ist.

 

  1. Immer schön in Bewegung bleiben.

Zwar kommt der Brotmann Tag für Tag. Aber er bleibt nicht lange. Wer den richtigen Moment verpasst, bekommt sein Brot nur durch Hinterherrennen oder erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt. Kein Unternehmer kann es sich leisten, ständig auf die Unentschlossenen, auf die Trödler zu warten.

  • Bleibst Du immer in Bewegung, auf der Suche nach neuen Kunden? Verquatschst Dich nicht zu dolle bei Deinen Lieblingskunden, auch wenn es dort noch so heimelig ist?

The Business must go on – solange, bis Dein Brotkorb auch heute wieder leer ist bis auf den letzten Krümel. Und gleich morgen früh geht das ganze Spiel von vorne los.

 

Die Atmosphäre in Havannas Altstadt ist hinreißend. Der morbide Charme vergangen geglaubter Zeiten, die Wahnsinns Straßenschlitten (Foto mit ganz viel rosa, Mann und mir), die heißen Rhythmen aus verfallenen aber oft bunten Häusern, das Gassen-Wirrwarr, in dem man sich am besten ohne Plan treiben lässt, um  sich prompt zu verirren … Auch wenn begonnen wurde, den Stadtkern zu renovieren, steht man einem Verfall unglaublichen Ausmaßes gegenüber – jeden Tag krachen hier im Durchschnitt drei Häuser ein, sagt unser mitgeschleppter Stefan Loose Reiseführer. Gepflastert sind hier nur paar Plätze; in den engen Lehmgassen surrt, schwirrt, stampft und tanzt das pralle Leben, immer irgendwo zwischen Mittelalter und Moderne hin- und herschwankend, je nachdem, ob einem gerade einer aus der TOP und extrem körperbetont gekleideten Junggeneration vor die Augen springt oder eine der unzähligen Rikschas und Pferdekutschen vorbeiklappern, oder der Blick mal wieder an einer Häuserfront hängenbleibt, wo mit notdürftigem Gerüst der Balkon vom sofortigen Abkrachen abgehalten wird …

 

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