Pizza-Wahrheit auf der Speisekarte

Vor zwei Tagen in einem Restaurant. Ich bestelle eine vegetarische Pizza, mein Mann eine Pizza mit Hähnchenstücken. 90 Minuten und zwei Bier später stellt der strahlende Ober uns mit formvollendetem Schwung unsere Pizzen vor die Nasen. Verwundert schauen wir auf unsere Teller, auf denen zwei exakt gleich aussehende Pizzen liegen, beide mit grünem Blattgemüse und Hähnchenstücken belegt. Wir lachen, fangen an zu mampfen. Schmeckt lecker!

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In Deutschland hätten wir wohl anders reagiert. Pizza ist schließlich nicht gleich Pizza! Aber wir sitzen auf einem anderen Kontinent, in einer völlig anderen Welt. In Tansania sind wir froh, wenn unsere Gedärme nicht den Aufstand proben. Wenn das Essen dann noch schmeckt, dann ist alles gut.

  • Warum hat das Restaurant nicht einfach „Pizza“ als Sammelbegriff auf der Speisekarte stehen? Wenn in der Küche nur eine Einheitspizza produziert wird, egal welche Pizzabestellung eingeht? Nun, vielleicht hat der Ober unsere Bestellung nicht richtig verstanden. Vielleicht waren die passenden Zutaten grad nicht vorrätig, und im Normalfall bekommt der Gast – anders als wir – seine individuelle Pizza serviert.
  • Vielleicht weiß der Restaurantbetreiber auch, dass seine Gäste einzelne Geschmacksrichtungen gerne konkreter auf der Karte sehen wollen. Einfach nur „Pizza“ auf die Karte pinseln – das löst nicht dasselbe aus wie Pizza Funghi, oder Pizza 4 Staggioni, oder Pizza Thunfisch – hach, lecker … Bei jeder konkreten Nennung sehe ich die jeweilige Pizza leibhaftig vor mir, spür den Geschmack auf der Zunge, der Speichelfluss setzt ein und ich fange heftig an zu schlucken.
Die Pizza und ihre Beläge
Pizza ist nicht gleich Pizza! (Pixabay / igorovsyannykov)

Kleine Pizza-Wahrheit

… die auch im Großen ihre Gültigkeit behält. Thunfisch ist nicht gleich Salami, und Schinken ist nicht gleich Brokkoli. Und so zielt jedes Ihrer Produkte und jede Ihrer Dienstleistungen mit seinem / ihrem ureigenen Belag bestimmte Kundensegmente an. Aber erst die präzise Beschreibung Ihrer kundenrelevanten Angebots-Spezialitäten lässt dem Kunden das Wasser im Mund zusammenlaufen.

  • Welcher „Pizza-Belag“ zieht welches Ihrer Kundensegmente an? Welche „Geschmacksrichtungen“ verkaufen sich bei wem am besten? Mit der Nennung welcher Features, welcher Eigenschaften erreichen Sie nicht nur den Verstand (Pizza.) sondern auch die Emotionen, also die LUST am Essen und am Kaufen? (Aaaahhh, Pizza Thuuuuunfisch …..“)

Je präziser, plastischer ausformuliert Ihr Angebot, desto besser.

Damit meine ich nicht, dass Sie die achtundneunzigste Schraube Ihrer von Ihnen hergestellten Maschine oder die Naht auf der Sitzbank links hinten in dem von Ihnen produzierten Auto Ihrem Kunden irgendwie schmackhaft machen müssen.

  • Vielmehr sauber filtern, was genau den Kunden über den faktischen Bedarf hinaus (Hunger) an Ihrem Angebot lockt (Appetit). Ist es der Bergkäse, der Teig, der Büffelmozzarella, sind es die frischen Tomaten? Alle für bestimmte Kundensegmente prägnanten Merkmale gehören auf Ihre „Speisekarte“ – so konkret, präzise, spürbar, erlebbar wie Sie nur können.

Also bloß nicht ZU viele Details, dennoch:
Absolute Genauigkeit in Werbung und Verkauf backt Ihnen höhere Erträge.

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Gestern Abend, im selben Restaurant. Ich bestelle Spaghetti Bolognese. 60 (!) Minuten und zwei Bier später stellt der strahlende Ober mir mit formvollendetem Schwung einen Teller voller Spaghetti vor die Nase, gemischt mit einigen Gemüsestücken. Ich lache, ich esse, es schmeckt, und alles ist gut.

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