„Keiner tanzt mit mir …“ Vom Mauerblümchen zum Vamp: Let`s dance!

Neulich rief mich ein bis dato völlig unbekannter Texterkollege an. Mit entwaffnender Offenheit erzählte er mir, dass er es nicht (mehr) schaffen würde, neue Kunden zu akquirieren. Selbst bei seinen Bestandskunden hätte er zunehmend Mühe, auch nur halbwegs vernünftige Preise durchzusetzen. Was ich denn anders machen würde als er, wollte er wissen. Okay … er kennt mich nicht, dennoch stand für ihn außer Frage, dass die Geschäfte gut bei mir laufen. Im Laufe des Gesprächs wurde uns beiden vor allem EINE Sache deutlich.

Heute Abend schon was vor? Nein? Komm mit! Ich will tanzen gehen. Mein Text-Business braucht Auslauf, ich will es auf die Tanzfläche schicken.

Auf dem Parkett tummelt sich viel buntes Volk.

Unternehmen unterschiedlichster Couleur kurven mit mehr oder weniger coolen Mooves und mehr oder weniger tanzwütigen Textern über die Fläche, andere checken noch vom Rand aus die Lage.

Die Lage checken. Abwarten, abwägen, ausloten.

Wer könnte zu uns und vor allem zu unseren Kunden passen? Die potenziellen Auftragnehmer und Partner beäugen. Wer sich wie präsentiert. Wer wird umschwärmt, hofiert? Wer eckt an? Wer wirkt wie eine ungemusterte Glastür, durch die das Publikum gelangweilt hindurchblickt, um nach interessanteren Text-Tänzern Ausschau zu halten? Texte auf Texter-Websites sind das eine – die Präsentation der dahinterstehenden Person etwas ganz anderes!

Große, dicke, kleine, feine Unternehmen. Unscheinbare Fassaden, stolze Köpfe, bodenständige Füße. Blaumänner, Hippies, Überflieger, schillernde Namen, Hidden Champions. JEDER hier will auf dem Markt der Möglichkeiten eine gewinnbringende Zeit verbringen. Den perfekten Dienstleister für sein Textprojekt finden. Mit Kandidaten in der engeren Wahl vielleicht ein, zwei Kennenlernrunden drehen und seine Nummer 1 sodann für die Unternehmens-Text-Challenge „abschleppen“. Let`s dance!

Weißt du, wo deine Kunden sich tummeln? Wo DU DEINE Kunden findest?

Kundenakquise 1

– eigene Website

Genug geschaut. Komm mit, Kollege, wag ein Tänzchen in eigener Sache, zeig dich deinen potenziellen Kunden von deiner persönlichen Seite. Nein? Du als Person willst nicht in Erscheinung treten? Schließlich hättest du deine eigene Website, und die habe genug Arbeit gekostet, jetzt sei sie i-Tüpfelchen-perfekt, das müsse reichen.

Ja ja, ich weiß schon, jeder Buchstabe wurde zehnmal gedreht und gewendet, ehe er seinen endgültigen Platz auf deiner eleganten, frisch auf Kante gebügelten Website zugewiesen bekam.

Nein, DU lässt dich nicht lumpen bei deiner Wortwahl – als einer, der ein Faible hat für Diamant-akkurat geschliffene Wörter, Sätze, Absätze.

So versteckst Du Dich hinter deinem adretten aber auch ein wenig blutleeren Bauchladen, mit millimetergenau austarierten Buchstaben in der Auslage, deine Texterkappe tief über die dunkel bebrillte Denkerstirn gezogen. Dein Credo: Allein deine Webpräsenz so für sich sprechen zu lassen, dass sie dir als anonymer Textspender (neue) Kunden beschert.

Dreht sich jemand um nach dir? …. Ich befürchte, dein unbeteilgtes Rumgestehe nahe der Ausgangstür als anonymer Texter mit Bauchladen bringt die Unternehmensbären nicht zum Steppen.

Kundenakquise 2 – SEO

Vier Wochen später betreten wir wieder den Tanzsaal. Dieses Mal bleibst du mit Bauchladen, Brille und Käppi nicht an der Tür stehen. Du setzt deine Füße auf`s Parkett und verschwindest im Getümmel, platzierst dich Google-gut sichtbar im direkten Unternehmensumfeld und wirfst mir durch Schlitz zwischen Schutzbrille und nasenwurzeltief sitzendem Texterkäppischild einen triumphierenden Blick zu. —

Große, dicke, kleine, feine Unternehmen tanzen an dir vorbei. Um dich herum fliegen die Arme, streifen kurze prüfende Blicke Käppi und Dunkelbrille, graue und bunte Fassaden, stolz erhobene Köpfe mit mal müden, mal leuchtenden Gesichtern, umherwirbelnde Füße – alle bemüht, dich nicht anzurempeln. Blaumänner, Hippies, Überflieger, schillernde Namen, Hidden Champions – sie alle sehen dich. Aber kaum jemand bleibt stehen und reicht dir die Hand zum Kennenlerntanz. Als dich einer anpflaumt „he, pass auf, Platz da, du stehst im Weg rum“, schleichst du von dannen.

  • Eine gute SEO Strategie verhilft zu mehr Sichtbarkeit in den Suchmaschinen. Das ist gut. Lockt aber nicht automatisch neue Kunden an.

Lange lässt du den Kopf nicht hängen.

SEO

Kundenakquise 3

– Klinken putzen

E

Kurze Zeit später betrittst du ein weiteres Mal den Saal der tausend Chancen. Mit deinem frisch gewaschenen und gebügelten Web-Outfit stellst du dich vor dem Cocktail schlürfenden Unternehmen neben dir auf, fragst:

„Tanzt du mit mir? – Ach so, dein Partner kommt gleich.“

Du läufst zum nächsten: „Ich bürste alle deine Buchstaben durch! Schau her, hier meine Website. – Ach so, du bist zu beschäftigt mit anderen Dingen.“

Du läufst zum übernächsten: „Brauchst du einen Partner, der deine Kundentexte zum Tanzen bringt? – Ach so, du bist müde von der werblichen Daueranmache von allen Seiten.“

JETZT sehe ich Frust in deinen Augen. Du hast doch alles gegeben. Du warst dir nicht zu schade, bei Unternehmen persönlich vorzusprechen. Bei den Blaumännern, Hippies, Überfliegern, unscheinbaren Fassaden, hinter denen oft viel Gutes passiert, schillernden Namen, Hidden Champions. Und hast einen Korb nach dem nächsten kassiert.

  • Nicht in das negative Spiel von Betteln und Ablehnung hineinschliddern!

„Warum tanzt

keiner mit mir?“

Mein Freund, schau noch einmal genau hin auf die Tanzfläche. Was siehst du?

Textagenturen, die sich bewegen. Bestehend aus textenden Menschen, die tanzen. Schau – der da drüben in seiner stilvollen Bolero-Jacke tanzt eine Blog-Rumba. Ausdrucksstark zeigt er den werbenden, erotischen Charakter seines Tanzes. Alleine … Die Frau im neonfarbenen Outfit wirbelt in fröhlich-spritzigen Video-Jive-Schritten über das Parkett. Alleine … Wienerwalzernd schiebt sich gerade ein befrackter Herr mit seinem Vortragsskript an ihr vorbei. All …. Was ist das? Ein Hidden Champion greift nach seinem Arm, blickt ihm fragend in die Augen. Ein kurzes Nicken später ziehen sie zusammen ihre Bahnen. Die quirlige Neonfrau umtänzeln gleich mehrere interessierte Start-ups. Auch die Bolero-Jacke ist ein Hingucker, Blog olé!

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Mehr Dynamik!

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Rumba, Jive, Wiener Walzer – siehe sie als Platzhalte für Aktivitäten: um deine Dienstleistung mit Leben zu füllen, zum Schwingen zu bringen, sodass die Kundenseite LUST hat, mit diesen umherwirbelnden Textern Kontakt aufzunehmen. Jeder Tanz hat seine Eigenart, für die es besondere Fähigkeiten braucht. Mindestens genauso vielfältig sind auch die Bewegungsräume und -arten, in und mit denen Texter Unternehmen auf sich aufmerksam machen können.

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Die Wahrheit ist: Websites allein bringen meistens nur schleppende Umsätze. Texterseiten sind davon nicht ausgenommen. Natürlich können Texter texten, und das spiegelt sich in aller Regel auf deren Seiten wider. Ich habe jedoch den Eindruck, dass nicht wenige Texter sich auf ihren Texten betten, mit einer gewissen intellektuellen Überheblichkeit auf ihren Textkissen ruhend und wie Dornröschen wachgeküsst werden wollend.

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Website? SEO?

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Ja. Aber …

Suchmaschinenoptimierung SEOSEO

SEO

Natürlich ist beides wichtig. Basics eben, mehr aber nicht. Denn auch wenn deine Seite auffindbar ist, steht sie erst mal einfach nur rum. Ist statisch. Werdende Kunden verspüren aber viel mehr Lust auf Zusammenarbeit, wenn dein auf der Website angepriesenes Business tatsächlich in Bewegung ist. Wenn du ihnen wieder und wieder zeigst und sie sehen: dein Text atmet, dein Business kann Schritte, du und dein Business – Ihr LEBT!

SEO

Zieh Käppi und Sonnenbrille ab.

Im Web die

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passenden Register

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ziehen.

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YouTube, Podcast, Blogartikel, Newsletter, Social Media … viele gute Möglichkeiten, mit denen deine Worte nicht länger abwe(i)send rumstehen, sondern dank der ihnen eingehauchten Dynamik zum Leben erwachen.

Meine Online-Erfahrung:

Kein hektisches Bloggen und Posten auf Facebook, Instagram, LinkedIn, XING, Twitter und was weiß ich. Automatisierungs-Tools können hier das Leben leichter machen; gut gemachte Online-Marketing-Funnels können gute Dienste leisten. Egal was: Nicht zu viele Register (auf einmal) ziehen, nicht auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen, denn das laugt dich aus, macht dich kaputt. Sich fokussieren. Jeder, der die Web-Klaviatur bespielt, kennt die Zeitfalle. Einzelkämpfer müssen da besonders aufpassen.

  • Ein gewisses Grundrauschen auf gezielt ausgewählten Kanälen reicht als Basis aus.
  • Willst du im Web richtig was reißen, dann entscheide dich zunächst für EINEN Kanal, um diesen nach allen Regeln der Kunst zu bespielen. Fokus bewahren!
  • Content nur dosiert für lau rausgeben.

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Dein „reales“

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Berufsleben mehr

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grooven lassen.

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Zum Beispiel, indem du

  • vor deine Homeoffice-Hinterzimmertür trittst und nach weniger abgeschiedenen Arbeitsplätzen Ausschau hältst. Mein externer Arbeitsplatz steht im Coworking-Space, wo ich von einem professionellen Umfeld profitiere und mich mit meinen Kunden im Besprechungsraum statt im Café treffen kann.

Mein höchst subjektiver Eindruck: Texter neigen dazu, sich innerhalb ihrer vier Texterwände zu verkrümeln. Sie machen sich rar im nach außen sichtbaren Leben.

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  • * lokale Business-Veranstaltungen, Fachvorträge, Netzwerktreffen, Fortbildungen besuchst.
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Neues lernen, sich weiterentwickeln, seine Kreise erweitern. Höre nie damit auf!

Meine Meinung: Fundiertes Wissen rund um (Online-)Marketing ist mit dem Wissen um gute Texte eng verknüpft. Dieses Wissen hilft mir genauso wie meinen Kunden.

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  • bereitwillig selbst etwas von deinem Wissen an andere weitergibst. Bereit bist, auch mal zu geben, ohne gleich eine Gegenleistung zu erwarten. Zeig dich mit deinem Know-how. Helfen steht wirklich jedem gut zu Gesicht … solange du dich nicht ausnutzen lässt.
  • Finde heraus, welche Tänze und welche Bewegungsfelder dir liegen und auch Spaß machen. Zieht dein Cha Cha Cha keine Kreise, dann probier einen langsamen Walzer, oder tanz Salsa. Teste aus, was zu dir passt. Hauptsache, du kommst ins sichtbare Tun.
  • Sage energisch bye bye zu allem, was dir auf längere Sicht nichts bringt.

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Anmerkung zum

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Schluss

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Von alledem, was ich hier zum Besten gebe, habe ich die letzten 6 Monate so gut wie nichts gemacht (was persönliche Gründe hat). Trotzdem bleibt mein Auftragsbuch stets gut gefüllt. Mein “Geheimnis“? Treue Stammkunden und Weiterempfehlungen, die mir immer wieder Neukunden bescheren. Zugegebenermaßen eine komfortable Lage – die ich nicht überstrapazieren möchte. Bevor mein Texter-Ruhekissen durchgelegen sein wird, werde ich aufstehen und wieder mehr Präsenz zeigen. Wir sehen uns. Let`s dance!

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